Meine erste Lambchop Platte kaufte ich mir 2002 nach einer Kroatien Tour mit dem Bulli. Mit „What sound“ begleiteten uns ruhige Töne durch die Serpentinen. Jahre später wurde mir bewusst: hier liegt eine Verwechslung vor. Ich war zwar in Kroatien, doch hörte Lamb. Schade aber toll, dass diese Verwechslung den Horizont erweiterte und ich auf Kurt Wagner aufmerksam wurde, obwohl ich mit Country nichts anfangen konnte.

Diese Story endet an einem Freitag Abend in der Auster Bar. Im Hintergrund wurde Country aufgelegt – Country für Leute, die Country nicht mögen. Weil es aufgeklärten Mitteleuropäern mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit schwerfällt, Country mit DumpTrump nicht zu assoziieren. Zum Glück gibt es Kurt Wagner, der diese Affektbrücke dekonstruiert.

Nach HeCTA war es für mich nur eine Frage der Zeit, wann Kurt Wagner das Potential von Scott Martin und Ryan Norris auch für Lambchop’s nächste Phase nutzt, um der Nashville Komfortzone ein digitales Antlitz zu geben. Nashville 4.0 wurde vor einigen Tagen in der Elfi zum besten gegeben obwohl ich mehr Experimente erwartet habe. Ein Teppich aus Klarheit schwebte durch den Großen Saal und verkündete hippe, postkapitalistische Verheißungen, die  mittlerweile auch bei Lambchop nicht fehlen dürfen …

Even if it’s all fucked up

Fehlen durften auch nicht die Gäste, die frühzeitig den Saal verließen, denn nicht jeder hält Entgrenzung aus. Einige trinken Mexikaner gegen Trump, anderen gehen … Aber darüber referierte schon das Abendblatt.
Wochen zuvor steht FLOTUS in der Kritik – nun denn: Subjektivität und Überraschung werden schon im Titel ‚For Love Often Turns Us Still‘ deutlich. Nicht jeder muss es lieben, nicht jeder kann damit umgehen, wenn Liebe stumm macht.

„L’insuccès de l’Unbewußt, c’est l’amour.“
J. Lacan

Mit dem Album lösen Lambchop einen „Float back“ Mechanismus in mir aus. Mir wird klar, warum mir in meiner minimaltechnoiden Engstirnigkeit der Zugang zu diesem Sound lange Zeit verwehrt blieb: Weil ich nicht stillsitzen konnte, und die Prägnanz dessen vermisste, was FLOTUS ausmacht: kleine feine elektronische Schmirgeleien und Wortfetzen, die auf Autotune gesetzt werden, um sich in mein Sein zu schleifen.

Für bewusst Liebende und unbewusste Zweifler gab es auf dem Konzert zwei limitierte Platten. Reinhören war nicht möglich, für Zweifler war es daher ein Vertrauenskauf(?). Beide Scheiben sind geil und dehnen den Begriff und den Sound „Lambchop“ wie ein Pizzateig. Und meine Zeit mit dieser Band. Neben Aufnahmen eines Konzertes in Shanghai erfreut eine 12inch die Plattensammlung. In Zeiten, in denen mir „NIV“ (120BPM) und „The Hustle“ (145BPM) zu episch und zu schnell sind, laufen die zarten Versionen der 12inch. Ähnlich, jedoch mit viel mehr elektronischen Gefrickel, waren die Tracks auf dem Konzert zu hören: Daher läuft Lambchop gerade in Endlosschleife.

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